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Pressespiegel

22 | 06 | 2010

Industrielles Herz mit Forderungen

Gewerkschafter erarbeiteten Papier
Westfälische Rundschau; Westfalenpost

  • Bild
    Jürgen Weißkirch, Hartwig Durt und Willi Brase. (v.l.) Foto: Schwab
    Die Gewerkschaftsspitzen der Region bekräftigten am Montag ihre Forderungen an die künftige NRW-Landesregierung in einem neuen Papier.
    Bereits vor der Landtagswahl im Mai hatten der SPD-Bundestagsabgeordnete und DGB-Regionsvorsitzende Willi Brase, sein IG-Metall-Kollege Hartwig Durt und Jürgen Weiskirch, Verdi-Chef in Siegen und Olpe, die Erwartungen der Gewerkschaften an die Regierungsmannschaft in Düsseldorf formuliert. Die Eckpunkte waren damals wie heute deutlich umrissen: Ausbau von Gewerbegebieten und eine klar verbesserte Infrastruktur.

                           Kein Platz für Industrieproduktion

    Im „industriellen Herz Nordrhein-Westfalens" - wie es die Gewerkschafter Südwestfalen sehen - müsse die Politik für ausreichende Industrie- und Gewerbeflächen sorgen. Eine solche „Vorratspolitik" geht davon aus, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Wachstumsphasen Raum brauchen, um Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern. „Und zwar infrastrukturell gut ausgestattete", wie Hartwig Durt hervorhob. Er übte deutliche Kritik an den Gewerbegebieten Oberes Leimbachtal und Martinshaardt: „Die sind wegen ihrer Lage und Parzellierung für Industrieproduktion völlig ungeeignet."
    Er ging sogar noch einen Schritt weiter. „Wenn hier in Siegen ein Industrieunternehmen hundert oder   hundertfünfzig Stellen schaffen will, gibt es dafür derzeit keine Möglichkeit." Bedeutet: Arbeitsplätze und Steuereinnahmen wandern in andere Kommunen. Ein kleiner Lichtblick könnten die Planungen für die Gewerbegebiete in Oberschelden und Eisern sein. „Doch dort gibt es große Probleme mit Bürgerinitiativen", bedauerte der IG-Metall-Funktionär.
    Das zweite große Sorgenkind der Gewerkschafter - die unzureichende Verkehrsanbindung - sei ein großer Standortnachteil für Wittgenstein. Am Beispiel der Kliniken machte Jürgen Weiskirch deutlich, wie Unternehmen unter schlechter Infrastruktur zu leiden haben. „Es geht nicht nur darum, wie die Patienten nach Bad Berleburg kommen", sagte er, „das betrifft auch Dinge wie das kulturelle Angebot, um gute Ärzte dorthin zu locken."
    Ohne ordentliche Straßen, also die Ortsumgehungskette Kreuztal und Erndtebrück im Zug der B 508 und B 62, aber auch ohne Schienenanbindung würden solche Regionen sprichwörtlich auf dem Abstellgleis stehen. Hartwig Durt erinnerte an die Firma Münker. Die zog von Kreuztal um ins Sauerland und habe rund eine Millionen Euro Gewerbesteuer mitgenommen. „Auf diese Art haben wir in den letzten Jahren 1400 Arbeitsplätze für immer verloren", rechnete er vor.

                        In einer Schule länger zusammen lernen

    Zudem fordern die Gewerkschafter ein neues Schulkonzept. „Wir wollen eine Schule für alle, in der alle länger zusammen lernen", betonte Willi Brase. Dabei sei die „Randlagensituation" des Kreises an den Grenzen zu Hessen und Rheinland-Pfalz besonders wichtig: „Es kann nicht sein, dass wir die Lehrer ausbilden", empörte sich Brase, „und die anderen Bundesländer sie dann abwerben."
    „Außerdem haben wir in wenigen Jahren einen echten Fachkräftemangel", sekundierte Hartwig Durt - nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels. Die Siegener Uni brauche deshalb dringend eine Didaktikprofessur in den Ingenieurwissenschaften. „Wir brauchen qualifizierte Lehrer, um attraktiv zu bleiben“, machte er deutlich.

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