Pressespiegel
08 | 06 | 2010
60 Jahre DGB
SIEGEN / WITTGENSTEIN / OLPE Geschichte voller Kampf, Engagement und Solidarität
Siegener Zeitung

- Die Geschichte des DGB wurde von Kundgebungen und Demonstrationen geprägt: In den Bildern oben und unten links, sind Demos der IG Metall in Siegen (oben, 1981) und Attendorn (unten, 1987) zu sehen. Oben rechts eine Kundgebung des stellv. DGB-Bundesvorsitzenden Fehrenbach am 1. Mai 1988 in Attendorn. Rechts unten demonstriert die Krupp-Belegschaft im Jahr 1987. Fotos: DGB
Nach der Gründung der IG Metall im Dezember 1945 bildeten sich weitere Industriegewerkschaften. Die Gründung eines gewerkschaftlichen Dachverbands im Siegerland erfolgte am 7. Juli 1947 - die Gewerkschaften in Wittgenstein waren seit dem Frühjahr 1947 als Nebenstelle Wittgenstein Teil dieser Organisation. Bei der Gründung des DGB als bundesweite Dachorganisation der Gewerkschaften waren im Kreisgebiet bereits 14 von später 16 einzelnen Gewerkschaftsorganisationen mit über 24 000 Mitgliedern vertreten. Erster Vorsitzender des Kreisausschusses Siegen war Emil Graskamp, Mitglied der KPD. Ihm folgte Heinrich Ebener (SPD).
Die Gründung des DGB auf dem Gründungskongress vom 12. bis 14. Oktober 1949 markiert den Abschluss der organisatorischen Konsolidierung der Gewerkschaften. Auf örtlicher Ebene war der DGB in Orts- und Kreisausschüssen organisiert. In den 1950er und 60er Jahren stieg die Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder stetig an: 1970 waren es 34 000. Vorsitzender des DGB-Kreisausschusses war seit 1952 Helmuth Lehmann, ab 1957 Eugen Rust. Die vielfältigen Aufgaben des DGB reichten vom Rechtsschutz für die Mitglieder über die organisatorische Unterstützung der Gewerkschaften bis hin zur Koordinierung und Durchführung zentraler Kampagnen in sozialen und politischen Fragen.
Ein großer Stellenwert kam sehr früh dem Engagement für den Erhalt der Arbeitsplätze zu. Dies zeigte sich insbesondere in Wittgenstein, wo der DGB u. a. eine wichtige Triebkraft bei der Entscheidung für die Neuansiedlung von Industriebetrieben war. Namentlich ist dieses Engagement auf den 1953 in den Bundestag gewählten Vorsitzenden der DGB-Nebenstelle Wittgenstein, Fritz Heinrich, zurückzuführen. Seine Nachfolge trat später Werner Möhl an. Nach der Phase des „Wirtschaftswunders" gab es Ende der 60er Jahre eine erste Rezession. Die heimischen Gewerkschaften erreichten 1984 mit mehr als 45 000 Mitgliedern ihre höchste Mitgliederzahl. Die Tätigkeiten des DGB waren vielfältig. Hervorzuheben ist das Engagement für die berufliche Bildung. Dies kam u. a. in der Gründung des Berufsfortbildungswerks des DGB in Siegen zum Ausdruck.
In den 70er und 80er Jahren entwickelte sich das BFW zum wichtigsten Träger der beruflichen Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet des Kreises Siegen-Wittgenstein. In der Öffentlichkeitsarbeit wurden insbesondere bei den Kundgebungen zum 1. Mai neue Akzente gesetzt.
In den 80er Jahren setzte der Kampf um den Erhalt der Stahlarbeitsplätze im Siegerland ein - 1993 erreichte dieser seinen Höhepunkt. Zu dieser Zeit lag die Arbeitslosenquote erstmals bei über zehn Prozent. Vorausgegangen war die Schließung zahlreicher Betriebe der Metallverarbeitung. Im Frühjahr 1993 begann mit der Mahnwache an Tor 2 des Geisweider Stahlwerks der Kampf um den Erhalt des Stahlstandorts. Willi Brase, seit 1989 DGB-Kreisvorsitzender, rief im Namen des Bürgerkomitees Geisweid zu der Aktion „Band der Solidarität" auf. Mehr als 15 000 Menschen beteiligten sich an dieser Menschenkette, die vom Hoesch-Werk in Eichen bis zum Krupp-Werk in Geisweid führte. Das Ergebnis des Widerstands: am Standort Geisweid blieb ein Mini-Stahlwerk mit 1500 Beschäftigen erhalten.
In der von anhaltender Massenarbeitslosigkeit begleiteten Wirtschaftskrise der 90er Jahre standen die Gewerkschaften mit dem Rücken zur Wand. Die Mitgliederzahlen gingen zurück, die sinkenden Beitragseinnahmen hatten gravierende Strukturveränderungen innerhalb des DGB zur Folge. Kleine Gewerkschaften schlossen sich entweder untereinander oder mit größeren Gewerkschaften zusammen. Am Ende des Fusionsprozesses 2001 war die Zahl der Mitgliedsgewerkschaften von 16 auf acht zurückgegangen.
Dieser Konzentrationsprozess erfasste 1994 auch die Region: die DGB-Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe wurden zur DGB-Region Siegen-Wittgenstein-Olpe zusammengefasst. Im Jahr des 60. Jubiläums 2009 erfolgte die Fusion zur DGB-Region Südwestfalen.
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