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Berufliche Ausbildung und Abitur sind gleichwertig
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Zur Debatte um die Gleichwertigkeit von Berufsbildung und Abitur im Deutschen Bundestag erklärt der SPD-Bundestagsabgeordnete und zuständige Berichterstatter für Berufliche Bildung Willi Brase aus Siegen-Wittgenstein:
„Wir bieten unseren Jugendlichen zwei Wege in die Zukunft mit einer guten Lebens- und Arbeitsperspektive an. Der erste Weg ist ein mittlerer Abschluss, ein Hauptschulabschluss oder die Hochschulreife, dann folgt eine Duale Ausbildung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fachwirt und Meister zu werden, später zu studieren und beruflich eine erfolgreiche Karriere zu starten.
Der zweite Weg erfolgt über den mittleren Schulabschluss, das Abitur oder die Fachhochschulreife mit anschließendem Studium. Auch mit diesem Bildungsweg ist man in der entsprechenden Liga angekommen, um qualifizierte Tätigkeiten auszuüben. Beide Wege sind wichtig und haben etwas mit der Gleichwertigkeit von Allgemeiner und Beruflicher Bildung zu tun – sie führen zum gleichen Ziel. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Allgemeine Hochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife und die Fachhochschulreife gemeinsam mit der drei und dreieinhalb jährigen beruflichen Ausbildung in die Stufe vier des Deutschen Qualifikationsrahmens eingeordnet werden.
Unser duales Bildungs- und Weiterbildungssystem ist die Stärke der deutschen Wirtschaft. Es sichert Innovationskraft und führt dazu, dass wir in Spitzenbranchen nicht nur in Europa, sondern weltweit führend sind und unsere Produkte auch absetzen können. Mit den vielen Neuordnungen und Modernisierungen der Ausbildungsordnungen im Dualen Bildungssystem sind wir den weiteren wissensbasierten Arbeits- und Produktionsweisen gerecht geworden – Aufstiegsfortbildungen ergänzen und erweitern diesen Prozess. Deshalb ist es richtig, dass wir diesen Prozess der Aufstiegsfortbildungen in die Stufe fünf des Deutschen Qualifikationsrahmens einordnen. Diese Stufe darf nicht verfallen, wie es die Kultusministerkonferenz gerne hätte.
Mit dem Antrag 16/13615 vom 1. Juli 2009 haben CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen unter anderem gefordert, den Deutschen Qualifikationsrahmen zur Verbesserung der Durchlässigkeit des Bildungssystems und der Gleichwertigkeit verschiedener Bildungswege zu entwickeln. Auch das ist Argument dafür, die Stufe vier sowohl für die Allgemeine Hochschulreife als auch für die drei und dreieinhalb jährigen Dualen Ausbildungsordnungen festzulegen. In dem gleichen Antrag haben wir das Konsensprinzip bei der Erarbeitung gefordert. Beides kann nur gemeinsam auf den Weg gebracht werden. Gelingt dies nicht, sollten wir uns dem Französischen Modell nähern.
Die Auszubildenden haben nach Ende der Ausbildung nicht nur die volle Berufsfähigkeit erlangt, sondern auch arbeitsmarktrelevante Kompetenzen und Fertigkeiten erlernt, die ein Abiturient naturgemäß nicht hat. Schon allein deshalb wäre eine Höherstufung des Abiturs aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion nicht sachgerecht. Das Zusammenspiel zwischen Ingenieuren, Meistern, Technikern und Facharbeitern im konkreten Arbeits- und Produktionsprozess ist das Geheimnis der industriellen Stärke Deutschlands. Das liegt auch daran, dass die verschiedenen Bildungsmöglichkeiten und -wege als gleichwertig betrachtet werden und im Arbeitsprozess die Fähigkeiten und Kompetenzen – unabhängig von der Herkunft – gefragt sind. Nicht umsonst wollen zunehmend Unternehmen über das Duale Studium, das aus einer Ausbildung und einem Studium besteht, ihren zukünftigen Fachkräftebedarf decken. Auch das spricht dafür, an der Gleichwertigkeit der Allgemeinen und Beruflichen Bildung nicht nur festzuhalten, sondern sie endlich umzusetzen. Mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen besteht dazu jetzt die Chance.
Es verwundert doch immer wieder, warum viele Bildungsminister in dieser Beharrlichkeit darauf bestehen, die Allgemeine Hochschulreife auf eine höhere Stufe als das Gesamttableau der Dualen Ausbildung zu setzen. Liegt es vielleicht daran, dass wir und vor allem die Bildungs- und Kultusminister jahrzehntelang dachten, das allgemeine deutsche Schulsystem sei das Beste der Welt führend? Wurde durch den PISA-Schock, TIMSS und anderen Untersuchungen gezeigt, dass unser System doch nicht so gut ist? Und deshalb startet man einen letzten Versuch über die Einstufung des Abiturs auf Stufe fünf, um sich doch noch gegenüber den anderen Ländern in der EU abzuheben? Wie wir wissen, sind fast alle Länder in der EU bereit, die Allgemeine Hochschulreife mit Sekundärstufe II-Abschluss auf Stufe vier einzuordnen und nicht – wie die KMK fordert – auf Stufe fünf.“







