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PRESSESPIEGEL:
Siegen macht mobil
Breite Front gegen Neonazis
Der 16. Dezember 1944 hat seine Schrecken noch nicht verloren, durch die alliierte Bombardierung verloren 348 Siegener ihr Leben. Auch dieses Jahr gedenkt das Siegener Bündnis für Demokratie an dem Tag der Toten und erinnert an historischen Orten im Stadtkern an die Nazis und deren Machenschaften im Dritten Reich.
mir - Andernorts in der Republik sind Neonazis das Thema schlechthin, die Bundespolitik hat begonnen einzugreifen. In Siegen ist noch alles ruhig, "aktuell ist auch keine Neonazi-Demo für den 16. Dezember angemeldet", verkündete gestern Bürgermeister Steffen Mues. Stichwort: 16. Dezember 1944: Hunderte Siegener und Siegerländer starben im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges, allein an dem Tag 348 Menschen in Siegen, nachdem über 50 000 Bomben auf die Stadt abgeworfen worden waren.
Schneefall hielt Teilnehmer nicht ab
Jährlich gedenkt ein breit aufgestelltes "Siegener Bündnis für Demokratie" des Tages. Nächste Woche Freitag wird das wieder passieren. Fix gesetzt ist der Auftakt: 15 Uhr, stilles Gedenken am Dicken Turm mit Kranzniederlegung. Voriges Jahr setzten die Siegener gerade dort ein dickes, fettes Zeichen: 250 Teilnehmer wollten trotz heftigen Schneefalls unbedingt an der Zeremonie teilnehmen.
Alternativer Stadtrundgang
Zweiter Teil: Von 15.30 bis 17.30 Uhr finden an verschiedenen Gedenkorten in der Innenstadt Aktivitäten statt, in einem alternativen Stadtrundgang kann man/frau sich die Stätten des braunen Nazi-Terrors von fachkundigen Begleitern erläutern lassen - Start um 15.30, 16 und 16.30 Uhr am Hallenbad Löhrtor. Die Liste der Gedenkorte ist lang:
Siegener Juden deportiert
Bahnhof: 1941 und 1942 wurden Siegener Juden in Vernichtungslager deportiert;
Mehrere historische Orte werden besucht
"Walter Krämer": Der Siechhausweg war einige Zeit die Heimat des Arztes von Buchenwald; "Haus der Arbeit"/Sandstraße: 1933 von einem SA-Zug überfallen; Gestapo: Vier Gestapo-Schergen hatten ihren Dienstsitz im Unteren Schloss; Kaufhaus Michel Marx/Kölner Straße: von den Nazis arisiert, die Inhaber zur Auswanderung gezwungen; "Pfarrer Wilhelm Ochse": Geistlicher der katholischen St. Mariengemeinde - 1935 wegen "Heimtücke" zu acht Monaten Haft verurteilt; Synagoge/Obergraben: Am 10. November 1938 von SA-Leuten niedergebrannt. Zum Rundgang gehören noch einige weitere Stationen, zum Abschluss verlegen die Teilnehmer gemeinsam mit der Klasse 10?d der Gesamtschule Eiserfeld in der Pfarrstraße 6 einen Stolperstein für Pfarrer Theodor Noa. Gegen 18 Uhr schließt sich ein ökumenischer Gottesdienst in der Nikolaikirche an, um 20 Uhr folgt das Martin-Luther-Konzert im Apollo-Theater. "Siegen ist breit aufgestellt gegen Neonazis", stellte Mues fest. Das "GehDenken" komme aus der Bürgerschaft, sei dort fest verankert. Das unterstrich Andre Schmidt als Aktiver der ersten Stunde. Beim letzten Treffen der Planer seien über 50 Leute gekommen, die Stühle hätten nicht ausgereicht. Pünktlich zum 16. Dezember soll auch ein alternativer Stadtführer vorliegen, die 2000 Exemplare werden in den nächsten Tagen gedruckt. Darin enthalten sind wichtige Informationen zum Thema, aufgeteilt in 20 Kapitel. Wer sich am 16. Dezember an die historischen Orten begibt, der kann sich ein Exemplar aushändigen lassen. Kostenlos, weil finanziell unterstützt vom Bundesfamilienministerium. Über den 16. Dezember hinaus wollen die Gewerkschaften am Ball bleiben und den Rechtsextremismus zurückdrängen. "Das steht für uns an vorderer Stelle, es geht um die Festigung der Demokratie", sagte der Siegener DGB-Chef Willi Brase gestern. Auch am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, werde man das Thema behandeln. Zentral bei einer Kundgebung in Dortmund mit der Ministerpräsidentin.
- Siegener Zeitung -






